Instituts- und Ausbildungsleiter FRITZ-IPSMILLER begrüßt Univ. Prof. Dr. Manfred KREMSER im Rahmen des Art-Events 2008 und ladet ihn ein, einige Worte an die anwesenden Gäste zu vermitteln.

 

Univ. Prof. Dr. Manfred KREMSER; Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität WIEN:

Guten Abend!

Ich bedanke mich bei Dir für Deine Einladung, dass ich heute außer Programm hier zu Wort kommen kann. Ich greife sehr gerne Deine Worte auf, einige Deiner Worte auf, das mit den Pflanzen und Du hast vom Feuer und von einer Hitze gesprochen – und da erinnere ich mich an ein Gedicht, das ich vor fast vierzig Jahren gemacht habe; wo die Pflanzen vorkommen und wo die Hitze vorkommt, in der wir uns langsam wohlfühlen – und ich hoffe, dass dieses Gedicht eine Botschaft ist, die ich nachher versuche zu übersetzen. Ich gehe jetzt zurück, fast vierzig Jahre und trage ein Gedicht vor namens

„Gefrorene Glut“

Wo die Mohnblumen blühen
ganz ruhig
zügellos ziehen Wolken
weidend über vergessene Auen
ziehe auch ich
im Raum
Einstiges gesehen aus glücklichen Tagen
schweigsam entflohen.

Wo einstiges Feuer wandelnd in gefrorener Glut mir die Adern verbrennt
brandet gefangen geglaubte Liebkosung
tobt eine Hoffnung
verborgen lodert sie noch.

Dieses Gedicht habe ich geschrieben, als wir uns noch lange nicht kannten und als wir zwei ganz unterschiedliche Wege begannen zu wandeln, um das für uns selbst und auch für andere Menschen zu entdecken und wovon wir meinen, dass es ganz tief hinein trifft in das Menschheitsrepertoire rituell-künstlerischen Heilens.

Du bist den Weg gegangen nach Innen, zum Künstler, zum Therapeuten – ich bin den Weg gegangen zum Wissenschaftler, nach Außen, rund um die Welt. Ich habe jahrzehntelang heilende Rituale untersucht; therapeutische Rituale, wo alle Sinne des Menschen aktiviert werden, um mehr oder weniger die große Gesundheit herbeizuführen – und aus diesem Grunde, als Kultur- und Sozialanthropologe, möchte ich eine Grußbotschaft von diesen, von Dir zitierten wissenden Instanzen hier in dieses Auditorium bringen, weil für mich etwas klar geworden ist, was ich vor vierzig Jahren noch fast als verlorene Hoffnung angesehen habe und weil Du mit dieser Institution und mit Deinen Schülerinnen und Schülern so viel beigetragen hast in meiner Heimat, um diese gefrorene Glut zum Schmelzen zu bringen; die uns wieder zeigt eine neue Art Mensch zu sein, Gebrauch zu machen von unseren Fähigkeiten, Gebrauch zu machen von unserer Kreativität, von unseren Sinnen, die Sinne zu öffnen, damit die übersinnliche Inspiration, die Du auch schon angesprochen hast, stattfinden kann; damit wir nicht nur vom Menschen als Individuum, vom Menschen in der Gruppe, sondern mehr oder weniger dass wir uns einklinken in diesen Kreislauf von Energien, von dem auch die Schamanen sprechen, von dieser Hitze, die genauso rot ist, wie die Mohnblumen in meinem Gedicht, die hilft diese gefrorene Glut zu schmelzen und Neuland in Sache der Therapie herbei zu führen.

Dass Dir das gelungen ist, ist die größte Genugtuung für mich. Ich habe mir das vor vierzig Jahren gewünscht, als ich in der Ferne beobachtet habe, dass es in meiner Heimat stattfinden möge. Jetzt ist es Realität, the dream came true! Ich danke Dir ganz herzlich dafür!

 

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