" TRANCE, THERAPEUTISCHE RITUALE UND DIE ÄSTHETIK DES HEILENS "

 Vortrag am 19. Mai 2006 in ISSA

gehalten von Univ. Prof. Dr. Manfred KREMSER

transkribiert von Maga Petra SCHÖN und Maga. Franziska SCHMALZL

  

Mag. art. Harald FRITZ-IPSMILLER, Ausbildungsleiter der Ganzheitlichen Kunsttherapie in ISSA begrüßt Univ. Prof. Dr. KREMSER:

 Unser Vortragender, der Ethnologe und Kulturanthropologe Univ. Prof. Dr. Manfred Kremser unterrichtet am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie an der Wiener Universität, forscht und lehrt vor allem mit den Schwerpunkten ethnologische Bewusstseinsforschung, therapeutische Riten und Grenzbereichsphänomene insbesondere der religiösen Kulturen Afrikas und Afro-Amerikas. Er ist Herausgeber der Serie afro-karibische Religionen mit dem ersten Band „Kulte“, dem zweiten Band „Vodoo“ und dem dritten Band „Rastafari“. Prof. Dr. KREMSER ist auch Co-Autor des Buches „Selbstheilungskräfte - die Quelle zur Stärkung und Heilung am eigenen Ich“.

 In diesem Buch wird geschildert, welche Methoden zahlreiche Kulturen dieser Welt entwickelt haben, um heilende Kräfte im Körper wirken zu lassen - heilende Kräfte, die Körper und  Psyche in Harmonie bringen, damit ein ausbalanciertes Leben ermöglicht wird. In diesem Buch gibt es ein Kapitel „Heilende Rituale der Menschheit- Ritualisierung und Gesunden“.

 Über vier in diesem Buch beschriebene Bereiche werden wir heute mehr erfahren:

·          Schamanismus -  die älteste Heilkunst der Menschheit, welche neu entdeckt wird.

·         Trancetanzen - das Leben zelebrieren („alles Leben ist Tanz“).

·         Energetisieren – die spirituelle Arbeit mit dem 6. Sinn.

·         Transzendieren – der Körper als Tempel und Zentrum der Welt.

 In diesem Buch wird auch festgestellt, dass die Fähigkeit zur Befreiung der schöpferischen Kräfte, wie Intuition, Ganzheitlichkeit und neues Denken der Rechtshemisphäre zugeordnet wird und in der westlichen Kultur durch die Überbetonung des Rationalen, Analytischen und Digitalen noch immer untergeordnet bis unwesentlich ist. Es wäre wichtig zu lernen, dass wir zwischen diesen beiden Hemisphären hin- und herpendeln.

 Mithilfe von Trance-induzierenden Methoden gelingt es in Dimensionen vorzustoßen, die sich als außergewöhnliche Bewusstseinszustände zeigen. In einer tief erlebbaren Dimension wird eine nicht alltägliche Wirklichkeit erfahren, dadurch verwandeln wir unser profanes Ich in ein göttliches Ich und das aktiviert in uns eine göttliche Schwingung, die unser Leben ganz und heil macht.

 Durch kleine Blitze, die über Momente der Erkenntnis kommen, als Durchbrüche in das Transzendente, Göttliche, wird das ganze Sein durch diesen Akt von göttlicher Kreation durchflutet und aufgeladen. Mit jener Kraft der Präsenz des Göttlichen in uns haben wir auch den Schlüssel für unsere Selbstheilung, dadurch werden die Selbstheilungskräfte in uns aktiviert.

  

Vortrag Univ. Prof. Dr. Manfred Kremser:

 Herzlichen Dank für die Einladung, in diesem Rahmen etwas aus meiner Forschung präsentieren zu dürfen.

 Ich bin nicht Therapeut, ich war zwar Künstler in meiner Jugend und will es auch wieder werden, bin aber im Moment seit über 30 Jahren Ethnologe, Kultur- und Sozialanthropologe.

 Ich bin vor dem Studium 1 Jahr durch Afrika gereist, bis sich geklärt hatte, was ich tatsächlich mit meinem Leben machen wollte; zurückgekehrt von dieser Odyssee habe ich im Vorlesungsverzeichnis Völkerkunde entdeckt und bin dabei hängen geblieben.

 Im zweiten Semester bin ich auf meine erste offizielle Forschungsreise in den Kongo, ins tiefe Herz Afrikas, gefahren. Mein Begleiter war ein medizinischer Kollege, DDr. Prinz, mit dem ich auch am Tage meiner Promotion die österreichische ethno-medizinische Gesellschaft gegründet habe. Wir sind damals nach Zentralafrika, zu den Azande gefahren, ein ca. 2 Millionenvolk, sehr gut beschrieben von englischen Sozialanthropologen, und wir (vor allem Dr. Prinz) haben uns verschiedene Arten von Gesundheit, Ernährung, und von Heilungsprozessen angesehen, beginnend mit Heilpflanzen, bis hin zu den komplexen und subtilen Heilmechanismen, die in mein Forschungsfeld gefallen sind, und die wir damals schon als therapeutische Rituale bezeichnet haben.

 Bereits in einer meiner ersten Publikationen dazu aus der Mitte der 70er Jahre forderte ich, dass auch in Europa endlich so etwas, das ich im Kongo zweimal ein halbes Jahr dokumentiert habe, gemacht werden soll - therapeutische Rituale, bei denen der ganze Mensch angesprochen wird, dadurch, dass im Ritual alle Sinne aktiviert werden. Dieses Verbinden aller unserer Sinne schafft so etwas wie eine Synchronisation in uns, das führt so weit, dass es irgendwann „Licht wird“ wenn man es richtig macht. Licht und Heilung sind ganz nahe miteinander verwandt – dies ist auch einer der Gründe, warum die Ärzte bei uns weiße Mäntel tragen, es soll „hell werden“ in unserer Seele, im Herzen, in unserem ganzen Körper.

 Dort erlebt zu haben, mit welch raffinierten Methoden des Trommelns, des Tanzens, des Trancetanzens, bestimmten Massagetechniken, mit dem ganzen Ornat rund um die Rituale, das vollzogen wird, wie nicht nur Arzt und Patient sondern alle Bezugspersonen des Patienten zur Heilung in einer Art Gruppentherapie, Psychodrama miteinbezogen werden, erweckte in mir den Wunsch, dieses auch bei uns zu etablieren.

 Vor 30 Jahren war das bei uns nicht gang und gäbe – es ist sehr zu begrüßen, dass sich inzwischen künstlerische Therapieformen, die ich in einer meiner ersten Publikation gefordert habe, bei uns entwickelt haben. Wir sind heute in der glücklichen Situation auch bei uns ein Angebot gelegt zu bekommen, durch die verschiedenen künstlerischen Medien therapeutisch wirksam zu sein. Dafür danke ich auch vor allem Ihrer Institution, die eine Pionierrolle auf diesem Sektor spielt.

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(der ganze Vortrag fuer ISSA-Mitglieder)
 

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