Vortrag von o. Univ. Prof. Dr. Manfred WAGNER am 1. Oktober 2004 in ISSA, 1070 WIEN, Lindengasse 56:

Kunst ist das Vermögen des Menschen in Sinnlichkeit, also in sinnlicher Dimension, die eigenen Varianten des Kognitiven, des Emotionalen und des Sozialen zu übersetzen. Und da ist heute ein spannender Moment, weil wir in unserer Gesellschaft im Transfer von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft eigentlich ein Element neu aufgefunden haben, das die Kunst schon immer und seit jeher hatte, nämlich die Kreativität. Die Kreativität ist heute für uns eigentlich das schlagende Modewort, aber in der Kunst war es immer das schlagende Modewort, denn die Kunst kann gar nicht anders, als mit der Kreativität umgehen und die Kunst kann, und das ist das Wunderbare, jeden einzeln ausgestattet mit Kreativität sehen, und sie kann faktisch in die obersten Grenzen der Kreativität gehen, also wenn man so will, eine Art von göttlichen Funken mitbekommen.

Wir wissen heute in der Kreativitätsforschung, dass alle erwachsenen Menschen ca. 1/3 der gesamten Möglichkeiten eines kreativen Potentials, gleichgültig in welcher sinnlichen Umsetzung, und die Beispiele der sinnlichen Umsetzung haben wir ja gesehen, dass eigentlich jeder Mensch dieses besitzt, aber dass  aus irgendwelchen Gründen unsere Schulen, unsere Institutionen nicht dafür geeignet sind, das aufzufinden. Das bedeutet, uns wird nichts anderes übrig bleiben, als unsere Institutionen zu ändern und nicht unsere Universitäten, die sind schon geändert und die haben es auch am Leichtesten, sondern die Kindergärten, die Volksschulen, denn dort geht es darum diese Kreativität aufzufinden und dann festzustellen, was jeder einzelne hat.

Eigentlich hat jeder einzelne auch so einen Funken des künstlerischen Elements. Wahrscheinlich ist das auch der Grund warum die Menschen eigentlich über Kunst nicht streiten. Sie streiten nur darüber, welche Kunst sie gerade bevorzugen. Wir haben uns angewöhnt, alles Historische für gut zu halten und alles Gegenwärtige eher oberflächlich zu sehen. Das kann man auch umgekehrt machen, denken Sie nur daran, Mozart hat überhaupt nie ein Werk gehört, das nicht zu seiner Zeit entstanden ist.

Das Problem der Kreativität ist also, dass es ein hoch demokratisches Potential hat, weil alle Menschen es haben und auf der anderen Seite die Möglichkeit hat, Leistungen hervorzubringen, die geniehaft sind, die Beispiele sind, die uns auch als Beispiele dienen. Und die Kunst ist damit auch ein Erklärungsfaktor fürs Leben und auch für die Grundeigenschaften des Lebens, für das, was den Menschen wirklich ausmacht. Nicht so sehr die Frage, was er verdient, nicht so sehr dir Frage, ob der Body schön oder nicht so schön ist, nicht so sehr die Frage, ob man viele Freunde hat oder wenige, sondern die Grundsubstanzen, was gibt es an Liebesfähigkeit, was gibt es an Emotionen, was bedeuten soziale Beziehungen wirklich, was heißt es, wenn man in einer globalisierten Welt lebt, dass man auch Verantwortung haben muss für Menschen, die weitab von hier leben, aber man mit ihnen ohnehin durch einen Mausklick in einem Bruchteil von Sekunden verbunden ist.

Und das alles ist eigentlich in der Kunst immer die Selbstverständlichkeit gewesen. Die Kunst hat immer dargestellt, wie man mit der Welt verbunden sein kann, sie hat immer die Grundprobleme dargestellt, wo es um die menschliche Substanz geht, das ist wahrscheinlich auch der Grund warum Kunst und Religion so ein bisschen nah bei einander sind.

Kunst hat immer eigentlich auch die Hoffnung des Menschen beinhaltet. Und da ist auch das therapeutische Element. Die Kunst ist ein Element, das den Menschen auch den Sinn zurückgeben kann, den er manchmal verliert. Und der Herr FRITZ-IPSMILLER glaubt an all das und ich finde es wunderbar, ich muss gestehen, ich finde es nicht nur menschlich richtig, sondern ich finde es zeitlich richtig, dass er einfach hinein geht und das auch institutionalisiert.

Diese Institution ist für mich ein Beispiel, an dem sich viele Institutionen werden messen lassen müssen, es wird nicht lange dauern. Wenn ein paar Menschen entdecken, was hier an Energie, an Kraft von Leuten ausgeht, denen es auch viel schlechter gehen kann, wenn wir sehen, was dort alles an Versagen ist, dann ist hier mit einem ganz substanziellen Ding, an sich das Problem, das eigentlich die Menschen alle zu Verfügung haben, demonstriert. Und für diese Demonstration wünsche ich Ihnen sehr viel Glück, ich glaube, das brauchen Sie gar nicht, da habe ich gar keinen Zweifel. Und früher oder später werden sehr viele Institutionen in diese Richtung schieben müssen. Ich bin sicher, das wird auch eine soziale Veränderung geben. Dass Sie diesen Schritt gewagt haben, darauf bin ich sehr stolz, dass Sie ein Angehöriger meines Institutes sind. Ich danke Ihnen.

 

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